ZEN

Shikantaza - einfach Sitzen - das war die grundlegende Praxis, die Michel Bovay Roshi mir ans Herz legte und deswegen hier täglich praktiziert wird.

Shikantaza im Stile Shohaku Okamura Roshis ist charakterisiert durch drei Elemente:

1) Das Studium des Sinns von Zazen im Kontext der Lehren Buddhas. 

2) Das Weglassen anderer Aktivitäten und Formalitäten zugunsten des Focus auf Zazen. 

3) Die Bedeutung Zazens finden und im modernen Alltagsleben verwirklichen.

Das Sanko-ji hat es sich ausserdem zu Aufgabe gemacht eine Lehr- und Praxisform des Dharmas zu finden, die den kulturellen, gesellschaftlichen Bedingungen in Europa Rechnung trägt und in der die spirituelle Entwicklung des aus dem europäischen Kulturkreis stammenden Schülers im Mittelpunkt steht. 

 

Foto: Muho Noelke Roshi in der Zazenhaltung
 Dieses Sitzen in Stille bedeutet eine echte Revolution. Den Blick nach innen wenden, aufhören vor den Dingen wegzulaufen oder ihnen nachzurennen, nicht bewegen, konzentriert, aufmerksam und wach - mit jeder Zelle des Körpers. Wir hören auf nach aussen zu schauen, was die anderen machen und denken, sondern beginnen unser Leben endlich selber zu "schöpfen", wie Kodo Sawaki sagt. Dieses nur "eine und endliche Leben" ist jetzt nicht mehr fad und grau, zögerlich, sondern erhält Stabilität und Kraft und eine Richtung. Aber nicht nur das; durch die Zazenpraxis erwacht die Intuition und Kreativität, unser Leben wird frei und frisch, unser Sorgen und Ängste treten zurück! Da unser Leben mit allem verbunden ist, wirkt sich unsere neue Art, im Einklang mit uns und dem Anderen zu leben unmittelbar positiv auf unsere Mitmenschen und letztlich den ganzen Kosmos aus.

 

"Kinhin – stand up and walk on the great earth"

Man geht langsam im Rhythmus des eigenen Atmens, würdevoll aufgespannt zwischen Himmer und Erde, Schwer- und Fliehkraft, Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, geradeaus, ohne zu zögern, ohne Umwege zu machen, ohne herumzublicken, ohne Ziel...

Kinhin, das ist auch eine Methaper für das Handeln im Alltag. Mit aller Energie und Überzeugung, konzentriert auf die Atmung, auf das Hara, einen Handlungsschritt tun, und dann einfach den nächsten, und wieder den nächsten...

Begehe ich einen Irrtum, ok...scheisse, und die nächste Handlung beginnt mit der nächsten Ausatmung,...

M.Bejart (Balletmeister):"Es ist die einzige, wahre Art zugehen"

 

T.Deshimaru Roshi in der Kinhinhaltung

Den Buddhaweg ergründen heißt sich selbst ergründen (Dem Buddhaweg folgen heißt sich selbst folgen/Den Buddhaweg gehen, heißt selbst gehen). 

Sich selbst ergründen (sich selbst folgen/selbst gehen) heißt sich selbst vergessen. 

Sich selbst vergessen heißt von den zehntausend Dingen bezeugt werden. 

Von den zehntausend Dingen bezeugt werden heißt Körper und Geist von sich selbst und den anderen fallen lassen.

aus Meister Dogens Genjokoan

 

Kalligrafie von Meister Deshimaru: Hei Jo Shin Kore Do - der gewöhnliche Geist ist der Weg.

Dies ist der Leitspruch in Sanko-ji. Wir suchen nicht ausserhalb von uns nach etwas "Erhabenen", sondern wir finden alles, was es braucht, in unserem gewöhnlichen Geist/Wesen. Es ist sinnlos zu warten, dass endlich die Süssigkeiten vom Himmel fallen.

ZEN zielt immer auf das totale, intuitive und konzentrierte Handeln im gegenwärtigen Augenblick. Dadurch entsteht die Einheit mit Körper und Geist, und nicht nur das, sondern mit allen Wesen und dem Universum. Dieses Leben ist keine erdachte Idealvorstellung, sondern eine sehr konzentrative Übung, die sich in unseren täglichen Handlungen und Begegnungen manifestiert. Es geht nicht darum, zuerst die Welt um uns herum zu ändern, sondern die Welt verwirktlicht sich in ihrer ganzen Fülle und Unendlichkeit in uns.  

ZEN