Zenpraxis

 

 

 

Sieben Punkte der Praxis 

 

von Kosho Uchiyama

 

1. Lass dich beim Studium und der Praxis des Buddhadharma nur vom Buddhadharma selber leiten, nicht von deinen persönlichen Gefühlen oder weltlichen Ideen.

2. Der Gegenstand deines Respekts, muss Zazen selbst sein, denn Zazen ist dein wahrer Lehrer.

3. Zazen bedeutet die Lehre "Gewinn ist Illusion, Verlust ist Erwachen" konkret umzusetzen. Zazen muss sich in den beiden Praktiken des Gelübdes und der Reue manifestieren und durch die drei Herzen im Alltag lebendig sein: das freudige Herz, alte Herz und grosse Herz.

4. Mach die Gelübde zu deinem Leben und lass ihre Wurzel in die Tiefe wachsen.

5. Sei dir darüber im Klaren, dass es nur an dir selbst liegt, ob du mit deiner Praxis voran kommst oder Rückschritte machst. Tue deshalb dein Bestes, um voranzukommen.

6. Sitz erst einmal schweigend für zehn Jahre und dann weitere zehn Jahre. Im Anschluss sitze nochmals zehn Jahre.

7. Arbeite mit anderen Zusammen um einen Ort zu schaffen, an dem ernsthafte Übende ohne unnötige Sorgen sich der Praxis widmen können.

Hindernisse der Zenpraxis

  • Viele Zenlehrer betonen: Zazen machen reicht, einfach alles vorbeiziehen lassen, hier und jetzt und so weiter. Oft passiert dem braven Zenadepten das, was Prof. Akira Ishii beschreibt: "Viele Menschen, die in ein Meditationszentrum kommen, um dort die Gegenwart zu erleben, haben etwas, das sie vergessen möchten - auch wenn sie das manchmal selbst nicht bemerken.Sie bemühen sich auf das Hier und Jetzt konzentriert zu sein, um sich nicht mit dieser Angelegenheit zu konfrontieren. Die Ursache dafür ist oft, dass man sein Problem nur von einer einseitigen Sichtweise aus ansieht und nicht gelernt hat, es von verschiedenen Seiten her zu betrachten. Dann kann man das vergangene Geschehene nicht aktzeptieren. Um es zu akzeptieren braucht man Naikan. Wenn man Naikan macht, dann konfrontiert man sich direkt mit dem Geschehen. Insofern ist es harte Arbeit. Wenn man aber mutig das Geschehen als Realität akzeptiert hat, dann wird man davon frei. Naikan machen heisst, sich von den Verflechtungen der Vergangenheit zu befreien und das gegenwärtige Selbst völlig zu akzeptieren. Wenn man das geschafft hat, dann hat man sich von den selbst geschaffenen Verflechtungen befreit und kann wirklich im Hier und Jetzt leben. Wenn man sich nur bemüht im Hier und Jetzt zu sein, ohne sich von der Vergangenheit befreit zu haben, dann ist man auf eine sehr eingeschränkte Art in der Gegenwart. Wenn man dagegen von der Vergangenheit befreit ist, dann kann man die Gegenwart voll geniessen, das gute Essen oder die Musik. Wenn man nicht befreit ist, dann bemüht man sich nur, das Hier und Jetzt wahrzunehmen, ohne wirklich zu erfahren, was das ist. Eine andere Gefahr dieser Haltung ist übrigens, dass man alles ohne Überlegung macht. Man macht alles nur aus dem "Hier und Jetzt" und verstrickt sich dadurch immer tiefer in die Verflechtungen der Vergangenheit."

  • Ein weiteres ist, dass wir uns zu leicht von der Praxis ablenken lassen. Eingefügeltes Zensprichwort, das mein Lehrer Missen Michel Bovay oft benutzte, lautet: Es gibt tausend Hindernisse um zu praktizieren, aber keinen Grund nicht zu praktizieren. Unser Alltag ist in der Regel dicht getaktet, erkennen Sie an, dass sie keine Zeit zur Praxis haben, also müssen Sie sie erschaffen, also morgens z.B. 1h früher aufstehen oder auf ein Sesshin fahren. Sie müssen auch nicht in Topform sein, um Zazen zu praktizieren, gerade wenn sie kränkeln oder in der Krise sind, ist es hilfreich Shikantaza oder Naikan zu machen.

  • Seien sie misstrauisch gegenüber sogenannten "Meistern", lassen sie sich von Ihnen nicht überreden etwas zu tun, was Ihnen nicht entspricht, glaubt Ihnen nicht. Ganz gemäss der letzten Unterweisung Buddhas - Nehmt Zuflucht zu euch selbst, zu eurem Gesetz. Nehmt zu niemanden Anderen Zuflucht - vertrauen sie jedoch in erster Linie tief der täglichen Praxis und den Verdiensten des Zazen. 
  • Seien sie ehrlich gegenüber sich selber: Warum praktiziere ich? Überprüfen sie ihre Praxis? Verwechseln sie den Schatz der Sangha nicht mit Familie, Verein, etc..